Ich gehe stromern ....

Hier könnt Ihr nach Herzenslust plaudern.

Ich gehe stromern ....

Beitragvon MMö » 12.08.2017 11:03

... wenn der Händler sich korrekt an Preisverhandlungen hält :-).


Mein Smartphone funktioniert mit Strom, mein Kühlschrank, mein Computer und mein Siebträger.
Und wenn vier Dinge schon mit Strom einwandfrei funktionieren, kann man auch darüber nachdenken
sein tägliches Gefährt mit Strom auszurüsten. Nein, nicht das Fahrrad. Das funktioniert mit Beinstrom!
Auch nicht das Auto - das funktioniert mit Benzinstrom bzw. Maisstrom. Und aus der aktuellen Kfz-Diskussion
wissen wir, dass nur Treckerfahrer bedenkenlos auf dem Acker mit Dieselstrom fahren sollen. Der Umwelt
und den Menschen zuliebe.

Also bin ich vor den Sommerferien zu einem BMW-Händler gefahren und habe nach einem Roller mit
elektronischem Strom gefragt. Hatten die rein zufällig da. Mehr als ein Zufall, denkt man. Der heißt
C-Evolution und fährt eben nur mit elektrischem Strom aus der Steckdose. Und weil alle Welt noch mit
Benzinstrom oder eben Treckerstrom fährt, konnte man sich das Gerät für ganze drei Tage ausleihen.
Will keiner kaufen. Die wollen alle einen teuren Dieselstrom-Motor haben. Drei Tage wollte ich den
testen, weil ich bei verschiedenen Temperaturen und Wetterdingens fahren wollte. Wollte der Händler
zuerst nicht, dann wollte er doch. "Ich will ja kaufen", sang ich ihm in Engelstönen vor.

Hintergrund: Pendelstrecke von mir zur Schule sind 17 Kilometer einfacher Weg. 34 Kilometer hin
und zurück. Kurzes Stück Stadt, dann Landstraße mit 80 km/h Beschränkung. Keine Berge, gerade
Strecke. Das ist wichtig. Theoretische Reichweite vom Roller: knapp 120 Kilometer laut Hersteller. Würde
bedeuten: 3 Tage fahren, einmal aufladen für den Rest der Woche.

125er Roller mit Benzinstrom habe ich ausprobiert - taugt nicht. Zu langsam auf der Landstraße, da bin
ich am Morgen ein echtes Hindernis. Und es fehlt das passende Alter. Außerdem: Benzinstrom. Muss ich also zur Tankstelle fahren, wenn Benzinstrom alle. Dabei kommt bei mit der Strom aus der Wand! :schlaumeier:
Bin ich doch bescheuert, wenn ich das nicht nutze!

Kurz: Der C-Evolution Roller von BMW ist eine echte Granate. Sehr groß, sehr schwer. Nicht viel Gedöns dran,
aber mit dem Wichtigsten ausgestattet: Lenker, Sitzbank, Räder und eine Hupe. Zur letzeren nachher noch ein Wort. Und weil das recht wenig ist haben sie noch ABS, Schlupfregelung und ein Nintendo 3DS XL als Display angebaut. Geht also doch mit den serienmäßigen Extras. Ach ja, einen Rückwärtsgang hat das Ding auch. Wichtig: irre schwer der Roller. Irgendwo muss der Steckdosenstrom ja getankt und gebunkert werden.
Rückwärtsschieben geht kaum.

Wenn man sich draufsetzt und das Knöpfchen zum Anmachen drückt passiert nichts. Kein Lärm, gar nichts.
Der ist dann einfach an. Display blinkt auf und fordert zum Spielen auf. Das geht dann so:

R-Taste länger drücken bis auf dem Display "R" erscheint. Dann leicht die Warpschraube drehen - nannte man
früher Gasgriff! - und das Gefährt setzt an zum Rückwärtsfahren. Bringt Spaß, aber sinnfrei damit zu fahren - man sitzt verkehrt herum und kann schlecht den Verkehr sehen. Also normal nach vorne fahren! Geilerweise macht der das richtig gut. Sogar richtig, richtig, richtig gut - die Beschleunigung aus dem Stand heraus ist bombig. Und ohne Geräusch. Das irritiert am Anfang komplett, aber man gewöhnt sich sofort daran. Macht man das einen ganzen Tag, ist am Abend der Akku leer. Man muss Strom tanken.

1. Lehre: Mit Steckdosenstrom zu fahren ist anders als mit Benzinstrom. Man muss also anders fahren. Am zweiten Tag dann sinnvoll gefahren: Sinnig anfahren und fix den Fahrmodus elektronisch ändern. "Sail", wenn es nur geradeaus geht und der Motor wenig leisten muss. Nicht wesentlich schneller als 80/90 km/h und früh in die Rekuperationsphase "Dynamik" schalten, wenn Hindernis auftaucht: Ampel, Autos, alte Omas. Dann fährt der Stromroller mit einem starken Widerstand und lädt praktisch in jeder Phase wieder auf. Also, salopp gesagt. Wenn man das schlau macht, kann man mit diesem Modus fast ohne zu Bremsen fahren. Und spart Strom, erhöht die Reichweite. Schaltet man in den "Pro Eco" Modus, kommt kein Fahrspaß auf. Leistung ist begrenzt, Reichweite dafür erhöht. Taugt aber nichts für die Stadt.

2. Lehre: Der Sound. Klingt so nach "whopwhopwhopwhop". Leise und eher wie ein Raumschiff. Liegt am Zahnriemen, der sich bei der Geschwindigkeit irgendwie anders bewegt und dann so ein Geräusch macht.
Für einen Ducatistrom-Fahrer etwas völlig anderes. Klingt aber aufregend und passend.

3. Lehre: Die Hupe ist ein Witz! Gerade das wichtigste an einem Fahrzeug - egal ob Krad oder Pkw - versagt hier! Okay, es gibt Menschen die brauchen keine Hupe. Ich benötige sie immer: Grüßen, Warnen oder aus Langeweile. Einmal die Hupe gedrückt und die Lebenslust ist wieder da. Gerne an Ampel, wenn Fußgänger in der Nähe sind. Manchmal sieht man Sprünge ... ;-) O-Ton meiner Kinder: "Papa, wieso hupst du nicht mehr, wenn du die Straße hochfährst?" Ja ... man muss wohl Kompromisse machen.

4. Lehre: Stromtanken ist laut. Popelt man das serienmäßige Kabel aus dem Fach des Rollers und schließt ihn
an die Steckdose an, passiert kurz nichts. Dann surrt und faucht er plötzlich los. Zuerst dachte ich,der wird gleich hochgehen und habe mich erstmal unauffällig entfernt. Sind aber nur Ventilatoren die den Akku während der Ladephase kühlen. Eine Stunde an der Steckdose und ungefähr 50 bis 60 Prozent Strom sind wieder im Akku drin. Das geht. So kann man theoretisch in sechs Wochen bis nach Südspanien fahren. Oder nach Moskau. Wenn man will. Und so viel Urlaub hat. Reiche Menschen lassen dann den Roller einfach stehen und fliegen mit Flugzeug (Kerosinstrom!) zurück.

Machen aber nicht viele. Deswegen sind die Händler sehr verzweifelt und verkaufen nichts. Es gibt zu wenig reiche Menschen mit Stromgedanken. Deswegen verkaufen die nämlich ihre Vorführer zu niedrigen Preisen.
Neu kostet der Roller laut Liste knapp 15 k Euro. Dafür könnte man einen gebrauchten Trecker mit Anhänger voller Dieselstrom kaufen. Problem: Die meisten Pendlerstrecken führen nicht über einen so großen Acker.

Der Roller soll laut Händler nach vielen Gesprächen nun deutlich unter 10 k liegen. 289 Kilometer gelaufen, volle Garantie: 5 Jahre auf Akku, 150 000 tkm. 234 Kilometer habe ich davon verjuckelt. Das langt eigentlich. Jetzt muss ich im Hause für Überzeugungsarbeit sorgen. Den will ich haben. Aus Gründen. Vielleicht schaffe ich dann einen Stromverbraucher ab. Fernseher zum Beispiel. Nutzt hier eh keiner und verbraucht sehr viel Strom!

Viele Grüße
Marco

P.S. Alle Daten kann man sich zusammen suchen. Ist langweilig zu nennen. Ich habe keine Ahnung, wie
viel PS der wirklich hat und warum das wichtig ist. Der ist flott. Sehr flott. Nichts für die Stadt, da ist
der Roller viel zu groß. Aber für aus der Stadt raus, auf die Landstraße - keine Pendelstrecke mehr als
20 Kilometer einfache Strecke ... da kommt eine Überlegung auf. Alles andere ist nonsens. Ich bin aus HH
raus gen Lüneburg und mit der letzten Ladung angekommen - 60 Kilometer. Autobahn ist nichts für den Roller. Auch wenn er knapp 120 Sachen macht. Kostet zu viel Energie.

Eine Solarladestation für meine Garage würde mich rund 5 k Doppelmark kosten. Einspeisung dann in den Roller,
Rest für die Playstation und CD-Spieler im Haus. Wenn Sonne weg, keine Arbeit und kein Lärm im Haus. Sollte man sich überlegen ;-)
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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon GasiGert » 12.08.2017 13:04

Schicket Schreibsel.
Hat gefallen.

Ich habe die Variante "gebrauchter Trecker mit Anhänger voll Dieselstrom".
Macht auch Spaß und spart die Hupe, weil der Diesel den Dieselstrom rythmisch langsam, aber infernalisch aus dem Auspuff auspufft.
Beschleunigung eher so lala, Zuladung dagegen unübertroffen. Und man kann Sonnenblumen- und Frittenstrom fahren.

Bei BMW stand ich mal mit ähnlich großen Augen vor einem ähnlichen Gefährt bei einem Händler, der damit ähnliche Probleme mit dessen Absatz hatte.
Damals war es ein C1, den ich sehr mutig und innovativ konstruiert fand.
Ideale Alternative zum Auto, zum Cabrio und zum Motorrad.
Anschnallen statt Behelmen; Jacke brauchte es nur im Winter und bei Regen.
Und dann auch nur an den Armen.
Raus aus der Firma im Blaumann, auf den Sattel und ab zum Schraubenhändler. Oder zur Frittenbude.
Ohne Leder und Deckel und sonstiges Geraffels, was man sich bei sommerlichen Temperaturen ohnehin zweimal überlegt, es für eine 10-Minuten-Fahrt anzuziehen und dann stattdessen doch lieber gleich mit dem Auto fährt.
So dachte ich.

War auch gut motorisiert mit vier Ventilen, Einspritzer und ABS.
Und so sicher, daß man sich damit auch mal auf die Klappe legen konnte,ohne gleich bettlägerig zu werden, weil "stabile Fahrgastzelle".

Nur:
Laut war das Ding ohne Helm, weil man in der Zelle wie in einem Parabolspiegel saß, der einem das Auspuffötteln direkt in die Gehörgänge leitete.
Zuladung lag mangels Platz auf dem Level eine Kinderfahrrades und wenn man tatsächlich eine Sozia fand, die sich auf die entwürdigende Art des Trittbrettfahrens herablassen wollte, sah man von weitem aus wie ein Elefant, der von einem Zwergpinscher im Rucksack gepoppt wurde.

Aber am miesesten (und damit auch das ko-Kriterium für mich) war die äußerst merkwürdige Sitzhaltung durch die senkrechte Rückenlehne, die ein entspanntes Fahren mit lässiger Haltung und durchgedrückten Armen verhinderte.
Unten saß man wie auf einem Chopper, oben mußte man eine nach vorn gebeugte Haltung mit nach außen gewinkelten Ellenbogen annehmen.
Torture of its best für Leute, die der englischen Sitzhaltung huldigen.

Als ich dann den verzweifelten Händler, der den ganzen Hof noch mit diesen Dingern vollstehen hatte, darauf ansprach, erfuhr ich, daß man dieser Sache never ever und auf keinen Fall durch Änderung an der Rückenlehne oder nur der Verstellung oder Auswechselung des Lenkers begegnen könne.
Der einzig lieferbare Lenker war fix in dieser Position verschraubt, denn................."die Sitzposition ist Teil des Sicherheitskonzeptes, das den Fahrer bei einem Unfall vor Schäden bewahrt und ist unbedingte Vorraussetzung für die Freistellung von der Helmpflicht".

So gab ich ihn nach einem Wochenende wieder zurück, mit dem Gefühl, ein Teil gefahren zu haben, daß bei etwas mehr Willen zur Weiterentwicklung ein gutes und von der Konzeption konkurrenzloses Produkt geworden wäre.
BMW verlor aber die Geduld und das Interesse an der nötigen Modellpflege und stellte die Produktion schnell wieder ein. Symptomatisch für die neuere deutsche Industriegeschichte?
Große Inovation, aber mangelnder Mut und Durchhaltevermögen?


Später erfuhr ich dann in anderen Foren, daß das originelle Gefährt noch diverse Überraschungen in punkto Kinderkrankheiten bereithielt.
Brechende Hauptständer, blockierende Radlager, ABS- und Einspritzprobleme.
Aber da war das Kind schon eh tot.
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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon FrankR80GS » 12.08.2017 14:21

MMö hat geschrieben:... wenn der Händler sich korrekt an Preisverhandlungen hält :-).

... Die Hupe ist ein Witz! Gerade das wichtigste an einem Fahrzeug - egal ob Krad oder Pkw - versagt hier!

Der Roller soll laut Händler nach vielen Gesprächen nun deutlich unter 10 k liegen.


Ich würde versuchen noch sowas als Extra rauszuhandeln. Fußgangster gucken nämlich nie in Richtungen aus denen kein Geräusch kommt, bevor sie auf die Straße latschen.

/Frank
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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon Redskin » 16.08.2017 18:49

FrankR80GS hat geschrieben:Fußgangster gucken nämlich nie in Richtungen aus denen kein Geräusch kommt, bevor sie auf die Straße latschen.


Fußgangster gucken wenn überhaupt noch, dann auf das Drecks-Smartphone. Hören tun die vor lauter In- oder Oneargedöns auch nichts.
Zumindest welche, meist in urbaner Umgebung, oder aus solcher stammend und aus versehen auf'm Kaff aus dem Bus gestiegen.

Elektromobilität kann hier einen wichtigen Beitrag zur Lösung des weltweiten Überbevölkerungsproblems leisten, wie mich dünkt.

Ich fahre daher gern weiter mein Batterieauto (mittlerweile schon fast 7000 km). Noch lieber aber meine Q, wenngleich ich weder hiermit noch damit einen Fußgangster abschießen möchte. Der Sauerei und des Eigenschadens wegen.

Grüße
Dirk.
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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon R65_dieter » 27.08.2017 11:51

hallo

über elektromobilität wird bei uns auch viel diskutiert.

mein kollege fährt ein elektrofahrrad und findet diese Fortbewegung total gut. er ist aber bekennender atomkraftgegner. wie passt das zusammen?
der Strom kommt aus der Steckdose, ist aber weder in der Erzeugung noch in der Energiebilanz wirklich gut. Generatoren haben etwa 80% Wirkungsgrad, Umspanntransformatoren auch in dieser Grössenordnung und das meiste geht an der Zuleitung und Überlandleitung als Spannungsabfall verloren. da sind für lange wege schon mal 50% einzukalkullieren bis Strom aus der Steckdose kommt.

regenerativ Energie, da bin ich auch sehr dafür, die Wasserkraft ist allerings schon ausgeschöpft, wind hat noch Zukunft, Gezeitenkraftwerk auch, solar schon eher fraglich, da die Herstellung solcher zellen schon viel Chemie und abfall produziert. Atomstrom und verstromen von Braunkohle halte ich für überholt. vielleicht kann man das biogaskonzept noch ausbauen.

Für Kleinfahrzeuge in kleinserien mag elektromobilität auch noch sinnvol sein, nicht jeder elektromobilist hat aber eine Garage mit stromanschluss oder kann das Kfz vor dem haus parken.

und beim Arbeitgeber im Parkhaus laden wird spätestens dann uninteressant wenn über 1000 Mitarbeiter ihr Elektrofahrzeug am firmennetz aufladen und hier ein paar kiloampere Strom auf die stromverbrauchsrechnung des Arbeitgebers dazukommen.

was mich weiterhin an diesen elektromobilkonzepten stört, es gibt keine einheitliche norm für energiezellen. damit wäre zumindest das ladeproblem entschärft. zelle abgeben an der tanke, neue rein, bezahlen und weiterfahren, geht das? denkbar ist das, wenn jede tanke einen windgenerator, ein grosses solardach und einen bauer mit biogasanlage in verlustarmer Erreichbarkeit hat.

pendler, das ist fast jeder Arbeitnehmer in Deutschland. gut ein Lehrer muss in seine schule, und ein Maschinenarbeiter oder werkstattmeister kann auch nicht von zuhause aus arbeiten.
bei der softwarezunft, Konstruktion, oder papiererzeugerzunft , vertriebsbüros, und andere Dienstleister, wäre das schon heute technisch einfach möglich mit internetanschluss zuhause und vpn-verschlüsselung.
nur viele grössere Arbeitgeber sind hier noch unflexibel weil man noch keine Idee hat, wie man den leistungsindex eines tariflich eingruppierten home Office Mitarbeiters messen kann (zeiterfassungssystem).
man könnte hier aber viel mehr tun für die Umwelt (und indirekt auch an der gehaltsbildung) wenn so ein pendelnder Mitarbeiter (mein arbeitsweg zum beispiel und zurück sind 190km/tag) zwei tage die Woche zuhause arbeitet.

vielleicht will man das aber auch aus steuerlicher hinsicht nicht, weil beim kauf von benzin oder diesel langt der Fiskus ordentlich zu, ein vielfahrer braucht öfter ein Kfz und reifen usw... das sind mehrwertsteuereinnahmen die man nicht unterschätzen darf. betriebe steuerlich fördern die teilweise zuhause arbeiten lassen wäre ein Ansatz. ein weiterer Ansatz wäre eine Luxussteuer auf Fahrzeuge die viel Kraftstoff verbrauchen. irgenwann in absehbarer zeit darf man auf der Autobahn nur noch 120km/h fahren und in der Ortschaft 30km/h. wer braucht da einen Porsche mit 200 PS oder mehr oder ein Motorrad mit 150ps?

Bei 40-50 tausend Kilometern pro jahr (ich hatte auch schon mal 90 tausend pro jahr im aussendienst) gibt's nur eine sinnvolle antriebstechnik, die des nutzfahrzeugs. TURBODIESEL!

nur mal so über Mobilität der Zukunft nachgedacht.

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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon R65_dieter » 27.08.2017 12:02

hallo,

noch etwas ist das was mich brennend interessiert.

inwieweit sind alte Akkus wiederverwertbar, was kann man daraus wiederverwerten und ab wann wird der "akkumüll" dann zum nächsten umweltproblem?
wie ist eigentlich die energiebilanz eines solchen Akkus wenn er neu ist, und zum Beispiel 1/2 jahr oder 1 jahr alt?

gruss

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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon FrankR80GS » 27.08.2017 14:27

R65_dieter hat geschrieben: ... inwieweit sind alte Akkus wiederverwertbar, was kann man daraus wiederverwerten und ab wann wird der "akkumüll" dann zum nächsten umweltproblem? ...wie ist eigentlich die energiebilanz eines solchen Akkus wenn er neu ist, und zum Beispiel 1/2 jahr oder 1 jahr alt?...


Theoretisch könnte man Li-Ionen Akkus so recyceln wie Bleibatterien. Dazu müsste es aber zunächst ein Sammelsystem nebst Kennzeichnung der Akkus geben. Dann könnte man die Elektroden und Elektrolyte zurückgewinnen. Ist meines Wissens aber noch nicht umgesetzt.

Die Haltbarkeit hängt von der Qualtät des Batteriemanagements für Ladung und Entladung ab. Tesla gibt m.W. eine Garantie von mehreren Jahren und eine Haltbarkeit von 500tkm an - erst dann fällt der Akku unter 80% der Nennkapazität. Könnte hinkommen.
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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon Redskin » 27.08.2017 16:16

inwieweit sind alte Akkus wiederverwertbar, was kann man daraus wiederverwerten und ab wann wird der "akkumüll" dann zum nächsten umweltproblem?
wie ist eigentlich die energiebilanz eines solchen Akkus wenn er neu ist, und zum Beispiel 1/2 jahr oder 1 jahr alt?


Die Akkuzellen halten eine gewisse Anzahl von Ladezyklen aus, bevor sie an Kapazität einbüßen oder ganz ausfallen. Das liegt an der Chemie, die in den Dingern passiert.
Der Fahrzeugakku, der aus vielen dieser Zellen, bzw. aus mehreren Zellclustern besteht, wird vom Batteriemanagementsystem, das für die kontrollierte Ladung und Entladung usw. zuständig ist, laufend überwacht, da sich die einzelnen Zellen durchaus unterschiedlich verhalten. Mit zunehmender Zahl von Lade- Entladezyklen nimmt die Kapazität des Akkus auf alle Fälle ab. Hängt viel davon ab, wie und wie oft geladen wird.

Bei meinem Auto gilt folgender Deal: wenn die Kapazität des Akkus innerhalb von 5 Jahren unter 75% fällt (Laut Batteriemanagement), wird kostenlos repariert, d. h. die Zellen im Paket, die nicht mehr tun, werden ersetzt. Eine neue Batterie gibt es meines Wissens nur bei Totalausfall.
Wenn man mit der Restkapazität seines Akkus nicht mehr einverstanden ist, kann man das ganze Package tauschen. Kostet natürlich.
Den ausgebauten Batteriepack könnte man für die heimische PV-Anlage hernehmen, bräuchte dann dazu einen passenden Wechselrichter, der sich digital mit der Batterie unterhält.

Nissan baut aus rücklaufenden Akkupacks (aus den Batterievermietungen vermutlich) z. B. Netzspeicher, um Überkapazitäten zu puffern. Zuletzt in London die so weit ich weiß derzeit größte Anlage dieser Art.

Mercedes Benz verbaut Rückläufer aus dem Automotive-Bereich in den PV-Speicherbatterien, die man sich für daheim kaufen kann und auf denen dann der Stern prangt.

Viele Grüße

Dirk
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Re: Ich gehe stromern ....

Beitragvon Redskin » 15.09.2017 22:28

Hallo Diskutanten der Mobilität der Zukunft.

Ich war diese Woche außerhäusig auf Fortbildung und habe das Elektroauto genommen. Der Lehrgangsort liegt in Reichweite eines vollen Akkus.
Unterwegs habe ich bei einem Nissan - Autohaus für umme den Akku auf 80% eilgeladen (mit Gleichstrom), aufdass auch der Heimweg gesichert wäre. Das Auto habe ich unter der Woche nicht gebraucht.

Rückstart gen Heimat heute Mittag mit 70% Batterieladung (angezeigt).
Dank einiger zwischenzeitlich neu eingerichteter Baustellen auf Bundesstraßen und damit einhergehender Umleitungen bin ich irgendwann von der freundlichen Dame aus dem Armaturenbrett auf eine stark entladene Batterie aufmerksam gemacht worden. Die Restreichweite war bereits kleiner, als die restliche Strecke, irgendwann blinkten nur noch ein paar Bindestriche im Display.
Eigtl. hätte ich locker hinkommen müssen, zuletzt aber waren nur noch knappe 4% Saft im Akku.
War spannend und hat zu gemäßigter Fahrweise geführt (kaum langsamer, wenn man mit Tacho 80 fährt, aber sparsam ohne Ende :-D )
Habe mich dann an die nächste Ladesäule ( 10 km vor der Heimat) gehängt und gebührenpflichtig mit nicht Ökostrom ein paar Prozent geladen.
Bei meinem Nissan- Händler dann an den DC-Schnellader gegangen und das Ding mit 40kW aufgeladen. War in ner guten Stunde zu 98% erledigt (die letzten 10 - 5 % gehen sehr langsam, wg. Zellbalance).
Fazit, es geht, macht Laune, ist spannend.
Eilig haben sollte man es aber besser nicht. Man braucht auch eine Route mit möglichst vielen Ladegelegenheiten, sonst kann das auch mal schiefgehen. (der Nissan Händler hat mich insofern beruhigt, als mich das Auto nicht mit Leistungseinschränkungen verwarnt hat. Wenn das passiert, sind noch ca 5 km drin, dann steht die Karre).

Für die Zukunft: ich würde gern als "Papierproduzent" von zuhause aus arbeiten, wie Dieter ganz richtig vorschlägt, schon allein deswegen, weil ich mich dann unrasiert und in lässigem Outfit vor den Rechner hocken könnte und der Dinge harren, die mich sonst im Büro ereilen.
Richtig organisiert und technisch vernünftig angebunden, wäre das niemandes schaden.

Aber da muss in vielen Köpfen noch viel passieren, bis sich da nennenswert was in dieser Richtung tut.

Elektromobile, gleich ob zwei oder vierrädrig können für den Einzelnen sehr gute Alternativen bieten, das oft beschworene Allheilmittel sind sie sicher nicht. Es ist auch müßig, hier die großen Rechnungen auf- und wieder zuzumachen.
Jedes Auto ist eine Umweltsauerei, egal, mit welcher Energie es sich in Bewegung setzt.

Die wichtigste und zugleich umweltfreundlichste Energiequelle ist und bleibt sicherlich die Energieeinsparung. Leider merkt man in der Mobilität da gar nix in der Hinsicht. Die Karren werden immer größer, schwerer, haben immer mehr PS aus immer winzigeren Antrieben, die schon klingen, als würden sie nicht lange halten. Unterm Strich spart sich da wohl nix.

Deshalb mache ich jezt mal brav den Rechner und das Licht aus und gehe in die Heia.

Viele Grüße

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