Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Alles rund um die Technik an den Modellen R45 und R65

Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon FrankR80GS » 24.06.2017 14:07

Hallo,

da ich ohnehin meine Ölwanne abdichten muss, will ich bei der Gelegenheit andere Stößel einbauen. Ich hatte letztes Jahr schon deutliche Ausbrüche auf einer Stößellauffläche bemerkt, aber damals keinen neuen zur Hand. Jetzt hab ich günstig einen Satz gebrauchte erstanden und möchte die einbauen.

Da ich auf alle Fälle die Ölwanne abnehmen muss (abdichten) könnte ich das "von unten" erledigen. Dazu muss ich aber sowohl die Nockenwelle wie auch die Stößelstangen - das heißt auch Kipphebelböcke - ausbauen. Das wiederum führt zur Überlegung, das ganze "von oben" zu erledigen, da die Kipphebelböcke eh runter sind. Dazu müsste ich nur die Zylinder weit genug ziehen können, um über die Stößelstangenbohrung im Block an die Stößel zu gelangen. Geht das, ohne die Zylinder vom Kolben zu streifen? Dann könnte ich mir die Demontage des Kettenkastens inclusive Kette usw. ersparen.

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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon rei97 » 24.06.2017 15:43

Also:
Von unten tät ich das nur bei ausgebautem Motor machen.
Die Lagerschildop mitsamt Ölpumpe ist mir aus der ersten R45 mit dem Ölmangelmotor noch in schlechter Erinnerung.
Den einen und den anderen Kopf wegzubauen und dann den Zylinder soweit zu ziehen, dass die Ringe im jeweiligen OT noch nicht frei werden und dann die Stösselrohre raus zu nehmen, weil sich der Zylinder ohne Demontage der Stehbolzen nicht kippen lässt und dann magnetisch die Stößel zu ziehen erscheint mir da einfacher. Das geht auch im Rahmen.
Da unten nur ein O-ring ist, besteht das Risiko einer zerrupften Fußdichtung nicht. Die Gruselbilder des ersten Motoers bei der R45 mit dem total zerriebenen Pleuelfußlager müssen irgendwo im Forum sein viewtopic.php?f=2&t=8760&hilit=Eine+Kuh+macht+Muh .
Regards
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon R65_dieter » 26.06.2017 06:36

hallo

keine kolbenringspannbänder vorhanden?

diese würde ich mir dringendst anschaffen.

die C-ringe aus dem pleuelauge entfernen ist ne arbeit die ich am liebsten auf der Hebebühne oder Motorblock auf der Werkbank bewerkstellige.

Die Zylinder demontieren ist einfach, lappen auf die zuganker legen damit der kolben nicht beschädigt wird

mit einem Stabmagneten kann man die stössel aus der Bohrung ziehen.

wenn die Laufflächen der stössel beschädigt sind, unbedingt die Nockenwelle anschauen. wenn die auch beschädigt ist hat man die grosse Motor op gewonnen.

wenn die Zylinder weggebaut sind sieht man da gut rein.

o-ring fussdichtung würde ich dann auch gleich neu bestellen.

gruss

dieter
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon rei97 » 26.06.2017 09:56

Also:
Wenn ich nicht vorhabe, einen neuen Kolbenkit zu verbauen, den Zylinder zu bohren/honen und ggf planieren, dann versuche ich die Ringe im Zylinder zu lassen, da sie bei einem verdrehten Wiederverbau oft zum Ölverbrauch neigen, weil ein Zylinder und Ringe nie rund verschleissen. Ich glaube dass es noch nichtmal nötig ist den Kolbenbolzen zu ziehen, um die Stössel raus zu bekommen. Wenn man den Clip aber schon raus machen will , empfielt sich Löcher im Motor abzudecken und ein aufgeräumtes Umfeld.
Und..ja ein Ringspannband ist am Start, wird aber nur selten benötigt, wenn man Übung hat.
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon FrankR80GS » 26.06.2017 13:08

R65_dieter hat geschrieben:...wenn die Laufflächen der stössel beschädigt sind, unbedingt die Nockenwelle anschauen. wenn die auch beschädigt ist hat man die grosse Motor op gewonnen. ...


Hallo Dieter, aus dem Grund die noch nicht vollkommen verworfene Idee, die Stößel "von unten" zu wechseln. Immerhin noch etwas weniger Aufwand als den "Stift des Grauens" zurück an seinen Platz zu bringen. Und für den Fall der Fälle hat man die NW auch schon in der Hand.

/Frank
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon Brummbär » 26.06.2017 14:25

Hallo Frank, hallo die anderen,

man kann sich drehen und wenden wie man will, der Mors bleibt immer hinten.

Von oben: Nur Ventilhauben runter, ich persönlich würde die Köpfe stumpf drauflassen. Spart ne Dichtung, äh, nee, sogar zwei (ZKD). Habe ich bei der Neulagerung so gemacht, funzt. Die Kipphebelböcke hat man durch das Lösen der Zugankermuttern sowieso in der Hand. Kolben ausfädeln müßte eigentlich sowieso sein, denn der kleine Rundbunaring am Zuganker für die Schmierung der Nickermänner muß wohl auch getauscht werden. Und die Stößelrohr-Abdichtgummis würde ich wenn sie nicht sehr jung sind auch tauschen. EIn wenig Flächendichtung auf der geraden Zylinderfußfläche sorgt bei meiner schon seit der ersten Revision (Ventilabriß) dafür, daß es hier pottendicht ist. Um die Stellung der Kolbenringe habe ich mir nie Gedanken gemacht, nur immer schön versetzt zu einander. Und immer richtig viel Öl drauf beim Einsetzen der Kolben. Statt der Fummelei mit dem Kolbenringspannband (liegt in der Werkzeugkiste, tolles Spielzeug, kann man aufdrehen und zudrehen, sieht schön aus) nehme ich eigentlich viel lieber Fühlerlehrenband, immer schön eins am Ringstoß. Das geht watscheneinfach und vermeidet Kratzer in der Buchse. Und wer die Position der Ringe beibehalten will, nimmt den Freund aller Putzfrauen (Edding Power macht Putzfrauen sauer) und zieht beim Ausbau einen Strich über alles weg.

Von unten: Heißt daß der Lichtmaschinenschutzdeckel ab muß und außerdem der Räderkastendeckel, die Lichtmaschinen-Rotor-Abdrückschraube liegt bei mir im Bordwerkzeugsatz. Immerhin bleibt das kurbelwellenseitige Steuerrad an Ort und Stelle, das geht bei meiner immer schweinemäßig stramm ab. Allerdings mit dem neuen Kukko-Abzieher, der auch an den Armen festgestellt werden kann, ist das auch peanuts, etwas Wärme hilft. Das Steuerkettenschloß einschließlich des Zusammenfummelns der Kette macht mich allerdings immer wuschig. Und schwupps, schon ist man am Ovalflansch für die "Lockenwelle". Die Stößel stecken in Durchgangsbohrungen, können also nach unten entnommen werden.

Pro unten: Wenn der Verdacht besteht, daß die Nockenwelle auch Pittings hat oder Graufleckigkeit, dann ist dieser Weg arbeitssparend. Bei meiner Motorrevision habe ich das alles aber in bestem Zustand vorgefunden (obwohl ich seit ich fast von Anfang an, ein Öl verwende, für das man hier im Forum verhauen werden kann, für Turbodiesel, hochaufgeladen, 20 Liter, nicht 20W50). Nur der Ölpumpendeckel und Innen-und Außenrotor gefielen mir nicht mehr. Was allerdings den Ausbau des Motors oder zumindest die Freilegung des Hintereingangs erfordert. Stift des Grauens: Hat bei meiner 1978er einen Preß-/Festsitz, der fällt hier jedenfalls nicht raus, das nur mal am Rande.

Pro oben: Sollte sich zügig erledigen lassen. Und auf der Hebebühne flott von der Hand gehen. Wenn die Nockenwelle Pittings hat, ist das allerdings für die Katz.

Km-Stand Motor ist ein Kriterium. Bei mir war es der weniger werdende Öldruck, der mich zur Komplettrevision veranlaßt hat. War, wie sich anschließend gezeigt hat, allerdings übertriebener Aufwand, das VDO-Betriebsmeßgerät "Öldruck" ist nicht mehr im Leistungbereich, will sagen, der Öldruck wird immer noch sehr niedrig angezeigt. Die Lager waren immer noch recht anständig bei 155 Megametern. Und inzwischen bin ich zu dem Schluß gekommen, daß die Kolben wohl ordentlich in den Buchsen poltern. So zwischen 2000 und 2500 1/min rappelt es dermaßen vernehmlich, daß eine Harley beinahe "überklappert" wird. Die Stößelstangen und den Ventiltrieb höre ich irgendwie separat heraus. Irgenwann gehen die Buchsen mal zum Durchhonen, nach dem festgestellten Maß kommen neue Abdichtstopfen zum kurbelwellenseitigen Verschluß der Zylinderlaufbuchsen hinein, einschließlich frischer Ringe.

Also viel Erfolg beim Schrauben, soll mich mal verlangen, wie es weitergeht.

Grüße
Michael
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon Rote Rita » 26.06.2017 22:59

Hallo Frank,

die Stössel nach unten raus nehmen ist keine gute Idee! Der Ausbau der Nockenwelle hat ne Menge andere Arbeiten dabei. Das Abnehmen der Zylinder hat den Vorteil, dass du alles neu abdichten. Wenn die Zylinder ab sind, kannst du die Nockenwelle ausreichend inspizieren. Meistens übersteht die leichte Pittings der Stösseltassen.

Viel Erfolg wünscht Rainer
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon R65_dieter » 29.06.2017 07:41

Hallo

Logisch kann man die Zylinderköpfe auch montiert lassen wenn man nur 4 zuganker wechselt. Vorteil, die Zykodichtung kann verbleiben. 2 Schrauben sind ja am Zylinder dran.

Wenn man aber schon mal dran ist wäre es vielleicht gut und wenig Aufwand wenn man mal kolbenboden und Laufflächen genau anschaut. Eine Zykodichtung kostet nicht die Welt. Man kann sich auch zu Tode sparen.......

Vielleicht reichts grad den Zylinder soweit vorzuschieben dass der hintere Olabstreifring nicht rausfluppt und man kann die stössel dann mittels magnet aus der gehäusebohrung bergen. Die Dichtugummis an den Stösselrohren müssen vielleicht weg.

Man kann aber so nicht gut die Nocken begutachten, daher würde ich den C-ring wegmachen und den kolbenbolzen ziehen. Lappen die Bohrung verschliessen ist wichtig bei Montage und Demontage. Im BMW Manual habe sie so ein Montageholz was den Kolben stützt und auch die Bohrung verschliesst.

C-Ringe haben sich bei mir schon in der Garage vogelwild verteilt, macht kein spass diese zu suchen.

mittlerweile hab ich ein Montage-Demontagewerkzeug gebaut, bestehend aus zwei holzstücken, kleiner Schraubzwinge und einem C-Ring Schieber mit Nase aus Kunstoff, damit dieser C-Ring sich wieder sauber einsetzen lässt.

Geht einwandfrei so.

120° Teilung der Kolbenringe ist wichtig, wenn der Kolben wirklich rauskommt, Die Orignalposition hab ich nicht immer korrekt getroffen, trotz edding Markierung. ging immer ohne grösseren Ölverbrauch.

Ohne Spannband die ringe reinfusseln kann man, muss man aber nicht, mit Spannband geht's viel besser. Die Götze Ölabstreiferringe der BMW 2V Kolben sind recht robust. Es gibt wesentlich fusseligere Olabstreifer, ganz dünne ringe mit so einem Federring drin. Habe viele neue Kolben mittlerweile. (Honda zum Beispiel oder die 4V boxer)

Wer da ohne Spannband Kolben einsetzt hat die Ölabstreifringe schnell kaputt gemacht ;-)

Gruss

Dieter
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Re: Stößel tauschen: Von unten oder von oben

Beitragvon FrankR80GS » 15.07.2017 21:35

Erledigt. Von oben ging es wider Erwarten ganz gut. Man kann die Zylinder ohne Ausbau der Kolben und oder des Kolbenbolzens soweit ziehen, dass man an die Stößel kommt. Die O-Ringe konnte ich so nicht erneuern, hoffe das geht gut.

/Frank
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