Kupplung R65

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womo12
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Kupplung R65

Beitragvon womo12 » 08.03.2018 09:33

Hallo zusammen,
hier scheint der Winter nun endgültig vorbei zu sein und so habe ich die r65 für eine Tour gestartet. Sie läuft super, nur merkte ich, dass bei ca. Tempo 100 die Drehzahl bei 6500 lag und ohne weitere Beschleunigung anstieg. Ich tippe mal auf Kupplung? Meine Befürchtung ist, dass Öl an die Scheibe gelangt ist. Tropfen tut da nix. Vielleicht ist die Scheibe auch nur erledigt, da ich die genaue Laufleistung nicht kenne.
Wenn Wellendichtringe kaputt sind, kann ich die einfach tauschen oder muss da Spezialwerkzeug her? Erneure ich besser die ganze Kupplung und worauf sollte ich dabei achten?
Viele Grüße
Edgar

Brummbär
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Re: Kupplung R65

Beitragvon Brummbär » 08.03.2018 17:39

Vielleicht erst einmal mit Einstellen versuchen, wenn der Kupplungszug zu stramm ist, rutscht die Kupplung schließlich auch. Und das Ausrücklager mal schön durchschmieren mit der Kolbenstoßpresse.

Drehzahlschwankungen: Der alektrische Drehzahlmesser hat auch ein eigenartiges Eigenleben - was dazu führen kann, daß man den angezeigten Humbug glaubt. Vertraue auf die Macht (Deiner Ohren) - wird das Geklapper wirklich anders? Wenn die (Unterbrecher) Zündung ein kleines bißchen spinnt, zeigt mein Drehzahl-Schätzeisen auf einmal merkwürdige Sprünge an. Nicht alles glauben. Vertraue auch Deiner Nase - stinkt es nach gerösteter Kupplung? Riecht wie geröstetes Hartgewebe/Pertinax, Elektronikbastler kennen den Duft.

Wellendichtringe: Kurbelwellendichtring mal den Chinesen fragen, Herrn Su Fu, da gibt es viel Lesestoff. In Kürze: Die neemodschen Teflon-Dichtringe sollen super-ober-Hypergenau und am besten im Reinraum mit Einschlaghülse und hastunichgesehn eingebaut werden. Wenn der Motor anschließend allerdings noch einmal benutzt wird, führt das zum Erlöschen jeglicher Gewährleistungsansprüche. Oder anders gesagt: Es ist anders aber nicht besser, gefühlt werden diese Ringe mindestens ebenso schnell wieder undicht wie die traditionellen. Seit 1978 habe ich schon einige gewechselt. Der RIng aus dem technischen Großhandel jiepelt zeitweise aber auch mal wieder, scheint aber noch dicht zu sein.

Wichtig bei den Fummeleien ist, das die Paßscheiben des Führungslagers der Kurbelwelle nicht wegfallen -Sitzen bei meiner 1978er übrigens so schön fest, daß ich nie Probleme mit dem Wegfallen hatte.

Getriebeseitig reicht ein DIN 3760 mit passendem Förderdrall. Technischer Großhandel, wenn er Viton hätte wäre es gut. Wer mag, kauft beim Fröhlichen (der ist ob seiner Freudenhauspreise immer ganz fröhlich).

Bevor es Mega-Diskussionen gibt: Zu den Dichtringen hat bestimmt jeder seine eigene Meinung, so wie ich auch. Ich wollte nur Hilfestellung geben, wo es Lesestoff gibt sagt ja der Chinese.

Gruß
Michael
Brummbär

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Re: Kupplung R65

Beitragvon FrankR80GS » 08.03.2018 19:18

Brummbär hat geschrieben:Vielleicht erst einmal mit Einstellen versuchen, wenn der Kupplungszug zu stramm ist, rutscht die Kupplung schließlich auch. Und das Ausrücklager mal schön durchschmieren mit der Kolbenstoßpresse.


Das Ausrücklager (innen auf der Druckstange) wird vom Getriebeöl geschmiert. Du meinst vermutlich das Lager des Ausrückhebels, das bei Modellen bis 09/80 als Gleitlager mit Schmiernippel ausgeführt ist. Danach wurde auf eine Nadelhülse (14) mit Buchse (10) gewechselt, das sich nur im zerlegten Zustand (blöde Fummelei) richtig fetten lässt. Ich gebe immer ein paar Tropfen Motoröl drauf, wenn mir die Kupplung zu schwer geht.

Wichtig ist aber tatsächlich der richtige Abstand zwischen Ausrückhebel und Widerlager des Kupplungszugs. Das „goldene Maß“ von 201mm! So einstellen wie im Wiki beschrieben. Es geht dabei nicht um Schaltbarkeit, sondern um die richtige Funktion der Kupplung.

Wenn die Kupplung verölt sein sollte, muss sie raus und zuerst die Ölquelle beseitigt werden. Wichtig dabei ist, die Kurbelwelle gegen axiale Verschiebung zu sichern. Sonst steht im schlimmsten Fall ein Totalzerlegung der Motors an. Auch wichtig: die neuen Kurbelwellendichtringe (PTFE-Dichtlippe) müssen trocken montiert werden (Seite 5).
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Re: Kupplung R65

Beitragvon derrdaniel » 12.03.2018 22:02

FrankR80GS hat geschrieben:Wichtig ist aber tatsächlich der richtige Abstand zwischen Ausrückhebel und Widerlager des Kupplungszugs. Das „goldene Maß“ von 201mm! So einstellen wie im Wiki beschrieben. Es geht dabei nicht um Schaltbarkeit, sondern um die richtige Funktion der Kupplung.


Gilt das bei gezogener oder bei nicht gezogener Kupplung?

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Re: Kupplung R65

Beitragvon FrankR80GS » 13.03.2018 18:35

derrdaniel hat geschrieben:
FrankR80GS hat geschrieben:Wichtig ist aber tatsächlich der richtige Abstand zwischen Ausrückhebel und Widerlager des Kupplungszugs. Das „goldene Maß“ von 201mm! So einstellen wie im Wiki beschrieben. Es geht dabei nicht um Schaltbarkeit, sondern um die richtige Funktion der Kupplung.


Gilt das bei gezogener oder bei nicht gezogener Kupplung?


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Re: Kupplung R65

Beitragvon GasiGert » 14.03.2018 00:19

womo12 hat geschrieben: Ich tippe mal auf Kupplung?


Hallo Edgar,
ob die Kupplung gut packt, merkt man, wenn man mit gezogener Bremse stehend den fünften Gang einlegt, Vollgas gibt und bei höherer Drehzahl zügig einkuppelt.
Wenn der Motor nicht schlagartig abgewürgt wird, sondern nur langsam mit der Drehzahl bis zum Absterben absinkt, stimmt da was nicht und Einstellung oder Verschleißzustand sollten kontrolliert werden.
Manchmal kann die Drehzahl bei losgelassenem Hebel sogar noch ansteigen.
Der Drehzahlmesser allein ist bei höherem Tempo, wenn der Fahrtwind die Ohren betäubt, nicht zuverlässig.

Natürlich auf die Weise nur sporadisch und nicht mehrfach hintereinander testen, weils doch arger Streß für die Kupplung ist.

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Re: Kupplung R65

Beitragvon womo12 » 20.03.2018 13:33

Hallo zusammen und vielen Dank für die Antworten.
Also, der Motor lässt sich schon recht einfach abwürgen. Die Kupplung hat mal heftig geklebt nach eben einer langen Standzeit. Ich hab sie nur durch eingelegten Gang und kräftig ruckeln mit einem unangenehmen Geräusch wieder frei bekommen. Ist schon eine Zeit her und dazwischen bin recht viel mit ihr gefahren. Nur jetzt aus dem Winterschlaf merkte ich doch klar, dass auf der Bahn Tempo 100 und Drehzahl bei 6000 und mehr angekommen war. Es hörte sich auch nach der angezeigten Drehzahl an. Frank gab mir anfangs mal den Tipp, bei ca. 5000 Umdrehungen Dauerbelastung aufzuhören. Sie hat ja auch ihr Alter. Schottland letztes Jahr war deshalb auch sehr beruhigtes Fahren. Von daher habe ich mich auf die Geräusche eingestellt. Ich kann sie schalten, ab und an kracht es ein wenig aber sonst auch nix. Ich werde sie, wenn es etwas wärmer wird in Deutschland vom Getriebe trennen und schauen was los ist.
Bei der letzten Fahrt musste ich beim Bremsen auch sehr fest an dem Bremshebel ziehen. Stahlflex sind drauf und der Kolben an der Pumpe wurde vor einiger Zeit erneuert. Doppelscheiben vorne Brembosättel hatte ich auch beide offen und mit Repkit instandgesetzt. Wenn ich bei höherer Geschwindigkeit bremsen will, muss ich schon kräftig zupacken und dann beginnt eine große Vibration im gesamten vorderen Bereich. Fühlt sich überhaupt nicht gut an. Wo sollte ich mit der Fehlersuche anfangen?
Viele Grüße
Edgar